Ich bin doch mein Freund, oder?

Richard Gappmayer hat in seinem Newsletter einen Bezug zu seinem Buch „Geschichten zum NACH-denken“ hergestellt. Seinen Text möchte ich hier für mich und andere festhalten:

Ich bin doch mein Freund, oder?
Mit sich selbst befreundet zu sein.

Misstrauisch. Herabsetzend. Fordernd. So sind sehr viele Menschen. Nicht anderen gegenüber – nein, nicht in der Regel. Der Blick fällt vielmehr auf sich selbst. Sie gucken in den Spiegel und, das was Sie sehen, gefällt Ihnen nicht. Es wird ein Fehler gemacht und Sie können ihn sich nicht verzeihen. Es passiert Ihnen etwas Peinliches und Sie quälen sich mit Selbstvorwürfen. Weshalb sind wir oft so unerbittlich zu uns selbst?

Geschichte zum Nach-Denken: Der Korb des alten MannesEin alter Mann und Waisenjunge, beide auf der Wanderschaft,trafen sich und beschlossen, ihren Weg gemeinsam fortzusetzen.Der alte Mann trug einen großen, zugedeckten und offenbar sehr schweren Weidekorb bei sich. Er ging tief gebeugt und stöhnte hin und wieder unter der Last.

„Soll ich den Korb für Dich tragen?“ fragte der Junge. „Nein, antwortete der Alte, den Korb kannst du mir nicht abnehmen, denn muss ich ganz alleine tragen.“ „Was ist denn in dem Korb?“ fragte der Junge. Aber er erhielt keine Antwort.

Nachts, wenn der Alte glaubte, dass der Junge schlief, kramte er in seinem Korb herum und sprach leise mit sich selbst.

Es kam der Tag, als der alte Mann sich niederlegte, um zu sterben. „Du wolltest doch immer wissen, was in dem Korb ist, nicht wahr?“ sagte er zu dem Jungen. „In diesem Korb sind all die Dinge, die ich von mir selbst glaubte und die nicht stimmten. Es sind die Steine, die mir meine Reise erschwerten. Auf meinem Rücken habe ich die Last jedes Kieselsteines des Zweifels, jedes Sandkorn der Unsicherheit und jeden Mühlstein des Irrweges getragen, die ich im Laufe meines Lebens gesammelt habe. Aber ach – ohne sie hätte ich so viel weiter kommen können im Leben. Statt meine Träume zu verwirklichen, bin ich nun hier angekommen.“ Und er schloss die Augen und starb.

Der Junge ging zum Korb und hob den Deckel. Der Korb, der den alten Mann so lange niedergedrückt hatte, war leer.

Quelle: unbekannt

Mitgefühl bedeutet Akzeptanz
„Niemanden behandeln wir so schlecht wie uns selbst“ Dieser Satz stammt von einer Professorin aus Texas, die sich seit Jahren mit dem Thema „Selbstwertgefühl“ beschäftigt.Von der Art und Weise, wie man in schwierigen Zeiten über sich denkt, sind die eigene seelische Ausgeglichenheit und Gesundheit abhängig. Denn, wer sich selbst kein Freund sein kann, der wird nicht nur von den eigenen „Lebensstürmen“ heftiger gebeutelt, er kommt auch deutlich schwerer durch den Alltag.Was aber ist mit „freundlich zu sich selbst“ gemeint. Eines bestimmt nicht, die Welt durch eine rosarote Brille des postiven Denkens zu sehen; jeden Tag mit einem Lächeln und einen aufmunternden Spruch zu beginnen. Selbstmitgefühl hat auch nichts damit zu tun, passiv auf dem Sofa zu sitzen und sich zu bedauern, wenn die Dinge nicht so laufen, wie gewünscht. Selbstmitgefühl ist vergleichbar der Empathie, die wir anderen entgegenbringen. Die es uns ermöglicht, nachsichtig und geduldig zu sein mit ihnen. Mitgefühl bedeutet Akzeptanz.

Der Mensch, der in Schwierigkeiten gerät, wird in seinem Kummer, seiner Fehlerhaftigkeit, seiner Schwäche wertgeschätzt und nicht zu all dem vorhandenen Leid noch mit Vorwürfen und Kritik gequält.

Sich selbst im Stich lassenWas uns bei anderen nahestehenden Menschen oft gutgelingt, fällt den meisten aber schwer, wenn es um sie selbst geht. Gerät ihr Lebensschiff in unruhiges Gewässer, zeigen sie in der Regel wenig Selbstmitgefühl, sondern wollen möglichst rasch das Ruder herumreißen, um so schnell wie möglich, wieder in ruhigeres Terrain zu kommen.Oft versuchen sie das, indem sie sich für ihre Ungeschicklichkeit, ihre Unaufmerksamkeit oder ihre Fehlerhaftigkeit verurteilen. Sie glauben, dass Selbstkritik einem auf Kurs hält. Anstatt sich zu kritisieren, wenn man stolpert, sich selbst in den Arm zu nehmen.
Selbstmitgefühl versus Selbstmitleid
Warum lassen wir uns gerade in schwierigen Zeiten, indenen wir dringend Verständnis und Mitgefühl bräuchten, selbst im Stich?Ein Hinderungsgrund liegt in einer Verwechslung. Die meisten Menschen gehen deshalb mit sich nicht sonderlich freundlich um, weil sie fürchten, als egoistisch zu erscheinen. Sie haben gelernt, dass es sich nicht schickt, sich selbst wichtig zu nehmen. Alleine schon das Wort „Selbstmitgefühl“ löst daher bei ihnen schon Abwehr aus.Es klingt nach Selbstmitleid. Und das hat verdientermaßen ein schlechtes Image. Denn selbstmitleidige Menschen kreisen oft egozentrisch nur noch um ihr Problem, neigen zur Dramatisierung ihrer Situation und sprechen nur mehr von ihm – dem eigenen Unglück.

Das kann zu einer lähmenden Opferhaltung führen und im Extremfall selbstzerstörerische Züge annehmen. Wer selbstmitleidig ist, hat das Gefühl, dass ihm großes Unrecht geschieht, das andere für sein Elend verantwortlich sind und er selbst an der Situation nichts ändern kann.

Oje, was denken die anderen…Selbstmitgefühl fällt den meisten Menschen auchdeshalb so schwer, weil sie sich darauf konzentrieren, was andere von ihnen denken könnten. Wenn sie glauben, in den Augen anderer nicht bestehen zu können, entstehen Schamgefühle. Diese wiederum nähren die Selbstkritik, die eine akzeptierende Haltung sich selbst gegenüber erschwert.Das Selbstmitgefühl hat also viele Feinde. Um es entwickeln zu können, müssen wir wissen: Selbstmitgefühl ist nicht Selbstmitleid, ist nicht Selbstbezogenheit, ist nicht Egoismus. Selbstmitgefühl interessiert sich nicht so sehr dafür, was im Kopf anderer Menschen vor sich geht, sondern sorgt sich darum, dass die Gedanken, die man sich über sich selbst macht, nicht ins Negative abgleiten.

Das es bei dem Konzept Selbstmitgefühl um sehr viel mehr geht, als in Krisenzeiten die gute Laune nicht zu verlieren, belegen inzwischen eine Reihe von Studien. Deren Ergebnisse bestätigen: Selbstmitgefühl hat vielfältige positive Auswirkungen auf die seelische Gesundheit und das Selbstvertrauen.

Mit sich selbst befreundet sein

Wenn mal wieder die Selbstzweifel überwiegen,wenn wir uns selbst kritisieren und „runtermachen“, ist Selbstmitgefühl ein Weg, uns aus dem emotionalen Sumpf zu ziehen. Doch was bedeutet, wenn wir mit uns selbst mitfühlend sind?

Menschen mit einer großen Fähigkeit zum Selbstmitgefühl haben eben Verständnis für sich, wenn es mal in ihrem Leben nicht so läuft. Sie erwarten kein Allzeithoch, und sie wertschätzen sich auch dann, wenn sie gerade mal nicht so glänzend dastehen oder mal mit dem Schicksal hadern. Schon Seneca beschrieb die wichtigste Fähigkeit des Menschen so: „Freund zu sein für mich selbst“.

Das heisst eben auch sich nicht gleichgültig zu sein, sondern sich um sich zu kümmern, für sich da zu sein, sich der Sorge für sich zu befleißigen und auf diese Weise nie allein zu sein, da das Selbst mit sich zusammenleben kann. Auch in schwierigen Zeiten denken selbstfreundliche Menschen nicht, dass nur sie zu den Pechvögeln gehören und alle anderen das Glück gepachtet haben.

Gedanken wie „Das kann ja nur mir passieren!“ kommen ihnen nicht in den Sinn. Sie wissen, das Scheitern und Niederlagen zum Leben gehören und irgendwann jeden Menschen treffen. Sie stellen ihre eigene momentane Situation in einen größeren Zusammenhang, indem sie akzeptieren, dass Belastungen und Leid zu jedem Leben dazugehören.

Selbstmitgefühl ist nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen eine unverzichtbare Vorraussetzung für seelisches Gleichgewicht und kann auch eine gute Waffe gegen Burnout sein. Pflegende Angehörige, überlastete Mütter, Krankenschwestern, Altenpfleger, und alle anderen vom Ausbrennen bedrohten Helfern können durch Zugewandtheit dafür sorgen, dass sie schwierige Situationen nicht zusätzlich durch überflüssige Selbstkritik erschweren.

www.gappmayer-trainings.at

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„Besser ein Misserfolg in der richtigen Richtung als ein Erfolg in der falschen.“
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